Informatives

Für PhysiotherapeutInnen mit einer Kassenzulassung gibt es einige Vorgaben. Nun bringt die CoronaSchutzVerordnung zusätzliche Beschränkungen mit sich.

Zur Zeit nehme ich keine Termine an.

An dieser Stelle möchte ich über übliche Abläufe und geltende Regeln in unserem Gesundheitssystem informieren. Ich halte diese für sehr sinnvoll. Trotzdem mache ich mich von einigen dieser Regeln frei, denen KassenpatientInnen und TherapeutInnen unterworfen sind.*

Dadurch schaffe ich mir und Ihnen gute Voraussetzungen für die Behandlung, was sich als durchaus erfolgreich erweisen kann. Es hilft, Zeit und Geld zu sparen und bietet eine Alternative zum bestehenden System und Sie werden nicht aktenkundig.

Was es damit auf sich hat, können Sie erfahren, wenn Sie sich das hier Aufgelistete aufmerksam durchlesen. Am Ende entscheiden Sie, ob mein Konzept für Sie in Frage kommt.

 

Wie komme ich in den Genuss einer physiotherapeutischen Behandlung?

Eine physiotherapeutische Behandlung ist verordnungsabhängig.

Das bedeutet für Sie, dass Sie zuerst zu Ihrer Hausärztin gehen. Diese erhebt einen Befund und/oder leitet weitere diagnostische Maßnahmen ein. Dazu schickt sie Sie unter Umständen zu einer Fachärztin. Steht der Befund, stellt sie oder die Fachärztin Ihnen eine Verordnung aus.

Als Physiotherapeutin kann ich Ihnen erst dann einen Termin anbieten, wenn Sie die von der Ärztin ausgestellte Verordnung vorlegen. Das ist wichtig und gut. Stellen Sie sich vor, Ihre Therapeutin weiß nichts über eine eventuell vorhandene Osteoporose (eine Krankheit, bei der die Knochen an Festigkeit verlieren). Wenn sie jetzt versucht, eine vorhandene Blockierung der Wirbelsäule zu lösen, könnte sie unwissentlich mehr Schaden verursachen als Nutzen bringen.

Durch meinen nicht-manipulativen Therapieansatz muss ich mich dieser Regel nicht unterwerfen. Dennoch scheue ich mich nicht, vor Beginn einer Behandlung eine ärztliche Untersuchung einzufordern, sofern ich eine Notwendigkeit dafür sehe.

Nach welchen Kriterien rezeptiert Ihre Ärztin welche Behandlungen?

Wenn Sie Kassenpatientin sind, ist Ihre Ärztin bei der Wahl des Heilmittels an die Vorgaben des Heilmittel-Katalogs gebunden.

Das bedeutet für Sie, dass Ihnen ein Behandlungspaket angeboten wird, dessen Effizienz allgemein anerkannt ist.

Ihre Ärztin braucht keinen Regress zu befürchten, wenn sie sich an die Richtlinien hält.

Ein Beispiel: Seit drei Wochen schmerzt Ihre rechte Schulter in nicht unerheblichem Maß. Ohne ersichtliche Ursache können Sie den Arm nicht mehr so gut drehen wie Ihren linken. Sie suchen also Ihre Ärztin auf. Laut Heilmittelkatalog ist das beschriebene Problem in die Diagnosegruppe EX1 „Extremitäten und Becken“ mit prognostisch kurzzeitigem Behandlungsbedarf einzuordnen. Jetzt muss noch eine Einteilung der Leitsymptomatik erfolgen. Im beschriebenen Fall wäre dies „a“. für Gelenkfunktionsstörungen, Bewegungsstörungen mit dem Ziel: Wiederherstellung, Besserung der gestörten Beweglichkeit. Damit wäre die Heilmittelverordnung im Regelfall mit 6 Behandlungseinheiten Krankengymnastik oder auch Manuelle Therapie als vorrangiges Heilmittel vorgegeben. Hinzu kommt eine Frequenzempfehlung von mindestens zwei Behandlungen pro Woche. Der Schlüssel, den Sie auf dem Rezept finden, heißt: Ex1a.

Weitere Regeln gibt es für den Fall, dass Ihre Ärztin noch ergänzende Heilmittel verordnen will oder sie eine andere Option für sinnvoller erachtet. Wenn die Schmerzen nach den sechs Behandlungen noch nicht verschwunden sein sollten, gibt es auch wieder Regeln und Möglichkeiten, die ihr offen stehen.

Was sind die Heilmittel-Richtlinien und der Heilmittelkatalog?

Die „Heilmittel-Richtlinie“ enthält Regeln und Vorgaben für Versicherte, Versicherungen und Leistungserbringer. So soll eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Versorgung für Sie als Patientin gewährleistet sein.

Der „Heilmittel-Katalog“ macht Vorgaben, welcher Diagnosegruppe ein Krankheitsbild zugeordnet wird und gibt somit die verordnungsfähigen Heilmittel vor. Gemeinsam bilden beide Schriften das Regelwerk, mit dem sich bestimmen lässt, wieviel und welche Heilmittel-Therapie die versicherte Person bei einer Krankenkasse erhalten kann. Verfasser der Regelwerke ist der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), ein Gremium aus Vertreterinnen der gesetzlichen Krankenkassen, Ärztinnen, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und Unparteiischen.

Welche Fristen müssen beachtet werden?

Als Patient müssen Sie die von Ärztinnen verordnete Behandlung innerhalb von 14 Tagen beginnen.

Zwischen zwei Behandlungsterminen dürfen nicht mehr als 14 Tage liegen.

Manchmal hat man einfach viel um die Ohren. Aber wenn Sie das vor einem halben Jahr ausgestellte Rezept endlich einlösen wollen, ist der Befund der Ärztin nicht mehr aktuell. Die Massage könnte inzwischen unnötig geworden sein. Ihr aktueller Zustand könnte sich dahingehend verändert haben, dass eine andere Maßnahme eventuell besser greift. Manchmal passiert es aber, dass die Fristen aus organisatorischen Gründen nicht einhaltbar sind. In dem Fall kann Ihnen die Ärztin das Rezept umdatieren oder eine nicht vermeidbare Zwischenpause „absegnen“.

Was hat es mit der Arztmitteilung auf sich?

Um besser beurteilen zu können, ob die Ausstellung einer Folgeverordnung sinnvoll ist, fordert Ihre Ärztin eventuell einen Bericht über den Therapiestand von Ihrer Physiotherapeutin an. Dafür macht er ein Kreuzchen an der entsprechenden Stelle auf dem Verordnungsvordruck. Die Kasse zahlt für das Ausfertigen dieser Mitteilung übrigens 80 Cent.

Das bedeutet für Sie als Patientin, dass Sie unter Umständen auf eine Folgeverordnung warten zu müssen, bis der Bericht von Ihrer Therapeutin vorliegt. Ausgehend davon entscheidet Ihre Ärztin, ob und welche weitere Maßnahmen sinnvoll sind. Ich habe die Beobachtung gemacht, dass es Praxen gibt, die generell eine Arztmitteilung anfordern und diese dann gar nicht beachten. Das lässt sich daran sehen, dass die Patientin zuweilen mit einem Folgerezept in die Physiopraxis kommen, noch bevor ein Bericht geschrieben wurde.

Kontakt mit den Arztpraxen aufzunehmen, ist der angestellten Physiotherapeutin nur schwer möglich. Denn aus wirtschaftlichen Gründen sind in vielen Physiotherapie-Praxen die Termine engmaschig im 20-Minuten-Rhythmus getaktet. So bleibt die Notwendigkeit einer Arztmitteilung daher oftmals im Dunkeln.

Wünscht die Ärztin eine Mitteilung, hat die Therapeutin zwei Möglichkeiten: Sie kann Ihre letzte Behandlung kürzen, um den Bericht zu schreiben. In dem Fall dauert Ihr Termin unter Umständen nur 10 bis 15 Minuten oder Ihre Therapeutin fertigt ihn in seiner Freizeit an.

Ich selbst habe eine eigene Variante für das Ausstellen der Arztmitteilungen bevorzugt. In der vorletzten Behandlung einer Folge habe ich der Patientin die „Hausaufgabe“gegeben, selber ein paar Sätze zu verfassen. Dabei sollte sie beschreiben, wie es ihr geht und ob und welche Fortschritte zu verzeichnen sind. Wenn sich dieses Bild der Eigenwahrnehmung nicht mit meinem Eindruck gedeckt hat, habe ich mit der Patientin darüber gesprochen. Erst danach ergänzte ich den Bericht.

In der Praxis kommt es jedoch häufiger vor, dass bei sechs Behandlungsterminen bis zu drei Behandlerinnen mit der Patientin arbeiten. In dem Fall funktionierte mein Procedere leider nur selten.

Warum ich keine Kassenzulassung habe:

Für die Abrechnung von Rezepten von Patientinnen, die bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind, bedarf es einer Kassenzulassung. Mit einigen Bedingungen, die für den Erhalt einer solchen gestellt werden, bin ich nicht einverstanden:

Beispielsweise bräuchte ich für eine Zulassung zusätzlich zu einem Behandlungsraum von 20m² zwei weitere Behandlungskabinen - auch wenn ich als alleinige Therapeutin in meiner Praxis tätig bin. Für meine Herangehensweise ist diese Ausstattung überschüssig, denn ich möchte weder parallel arbeiten, noch von einer in die nächste Kabine eilen. Auch die von den Kassen zeitlichen Vorgaben sind für mich keine Option: eine krankengymnastische Behandlung ist mit 15 – 25 Minuten veranschlagt. Für eine 25 minütige Behandlung bekomme ich also das gleiche Geld wie für eine Behandlung von 15 Minuten - wie kann das sein?

Mit der Beantragung einer Kassenzulassung würde ich mich zudem verpflichten, mich auf eigene Kosten fortbilden zu lassen; regelmässig im einem vorgegebenen Umfang. Ich bin jedoch nicht auf der Suche nach neuen Methoden oder besseren Techniken. Bei meiner Herangehensweise geht es um bewertungsfreies Zuhören auf verbaler und nonverbaler Ebene - jeder gut gelungene Kontakt zur Patientin ist also eine Art Fortbildung. Hin und wieder leiste ich mir selber einen Profi - der distanzierte Blick von außen kann vieles bewirken und ist manchmal überraschend.

Zudem gefällt mir nicht, wie mit dem Thema "Lymphdrainage" umgegangen wird. In der regulären Physiotherapie-Berufsausbildung ist das Erlernen der "Manuellen Lymphdrainage" nicht enthalten. Das bedeutet, dass Therapeuteninnen zusätzlich Zeit und Geld für diese Qualifikation investieren müssen. Für eine durchgeführte Lymphdraindage wird jedoch weniger gezahlt als z.B. für eine Behandlung "Krankengymnastik".

Politisch wird vieles diskutiert, kleine Veränderungen werden umgesetzt. So ist in einigen (wenigen) Bundesländern die Ausbildung für Physiotherapeutinnen inzwischen endlich kostenfrei.

Über das Thema Bürokratismus möchte ich nicht sprechen.

Die KassenZulassung hat also nichts mit einer zusätzlichen Qualifikation zu tun.

Kostenerstattungsmöglichkeit für Kassenpatientinnen in freien Physiotherapiepraxen

Es ist möglich, dass die Kasse die Kosten für die Behandlungen einer qualifizierten nicht zugelassenen Therapeutin übernimmt - hierbei handelt es sich um eine Ermessensfrage. Das können sie im Sozialgesetzbuch V §13 Absatz 2 nachlesen.

Beachten Sie bitte hierbei, dass Sie einen Antrag auf Kostenerstattung vor Behandlungsbeginn stellen müssen - für den Fall, dass Sie diesen Weg versuchen wollen, können Sie ein von mir verfasstes Antragsformular HIER herunterladen.

Bei einer Zusage Ihrer Kasse, ist dieser Anspruch auf Kostenerstattung höchstens auf die Vergütung beschränkt, die die Krankenkasse bei Erbringung der Sachleistung zu tragen hätte. Darüber hinaus können Verwaltungskosten bis zu 5% von der Erstattungsgebühr durch Ihre Krankenkasse abgezogen werden.

Wenn Ihre Ärztin Ihnen ein Rezept für eine therapeutische Maßnahme ausstellt, die Ihnen nicht von Ihrer Kasse angeboten werden kann, (will heißen, die zugelassenen Kolleginnen in einem für Sie erreichbaren Umkreis haben keine Termine innerhalb der vorgegebenen 14 tägigen Fristen für Sie frei,) ist Ihre Krankenkasse sogar verpflichtet, die von Ihnen erkauften Behandlungen zu erstatten. Dieses Recht ist in § 13 Absatz 3 im Sozialgestzbuch V aufgeführt. Gehen Sie auch in einem solchen Fall frühzeitig in Kontakt mit Ihrer Kasse.

*meine Bezeichnungen sollen genderneutral sein - der Einfachheit halber habe ich mich für die weibliche Form entschieden.

 

 

 

 

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